Presse


Von der Lust, die Dinge auf den Kopf zu stellen

Wendlingen (sel). Die dritte Ausstellung in der noch jungen Galerie Turbinenhaus in der Schäferhauser Straße in Wendlingen überrascht. Sie überrascht, weil es der Künstlerin Angela Hildebrandt gelungen ist, diesem Raum mit seinem gewichtigen Mittelpunkt, der Dampfturbine, mit einer ganz eigenen Ausdrucksweise ein anderes Gewicht zu verleihen. Mit ganz leichten Mitteln und einer dennoch dichten, unüberhörbaren Sprache schafft es diese junge Frau, den Blick vom dominanten Mittelpunkt des Raumes zu nehmen. Spürbar wird in der neuesten Ausstellung in der Galerie Turbinenhaus die intensive Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem ungewöhnlichen Ausstellungsraum, der denjenigen straft, der glaubt mit Arbeiten aus dem Lagerfundus sich hier durchsetzen zu können. Dieser Raum fordert die Auseinandersetzung  der Künstler, die sich hier präsentieren. Angela Hildebrandt ist dies mit ihrer Installation „Gedankenraum-Schleuse-Herzraum“ gelungen.

(…) zeigt seit vergangenem Freitag die in Gutenberg lebende und in Nürtingen arbeitende Angela Hildebrandt Beispiele ihres künstlerischen Schaffens. Dabei löst die Einladung, in dieser ungewöhnlichen Galerie auszustellen, keineswegs nur Begeisterung aus. Wer sich hier präsentiert, von dem wird eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Industriedenkmal gefordert.
Die Auseinandersetzung Angela Hildebrandts mit diesem ungewöhnlichen Ausstellungsraum ist von einem überraschenden Ergebnis gekrönt: Ihre Installation schafft mit einer duftigen Leichtigkeit Akzente, denen sich der Betrachter nicht entziehen kann. Angela Hildebrandt verzichtet im großen Turbinenraum auf ein Bestücken der Wände gänzlich. Die sieben unterschiedlich großen vielgeteilten Fenster mit ihren Rundbögen haben es der Künstlerin angetan. Auf leichten Drahtbügeln hängen hier im Gegenlicht, das von draußen hereindringt, Kleidungsstücke, von denen vor allem die weiblichen Exponate eine unüberhörbare Sprache sprechen. Auffallend an diesen von Angela Hildebrandt entworfenen und genähten Kleidern: Sie sind einfach im Schnitt, bestechen mit überlangen Ärmeln und Volants und mit einer Leichtigkeit, die schon durch die durchscheinende Stoffwahl zum Ausdruck kommt. Und diese Kleidungsstücke sind allesamt nicht vollständig, nicht „rund“, bestehen nur aus Vorderteilen. Das ist bei den Kleidern und Blusen nicht anders als bei der Weste für den Mann, die ergänz wird von einer Krawatte aus falschem Leopardenpelz oder mit grauen Flügeln, die matt auf dem Bügel hängen. Sie dienen nur scheinbar der Verkleidung und Verwandlung, sind in Wirklichkeit nicht zu gebrauchen. Fast hat es den Anschein, als ignoriere Angela Hildebrandt das gewaltige Monstrum von Dampfmaschine in der Mitte des Raumes einfach. Mit einem kleinen Kissen auf dem dicken Bauch der Maschine verweist sie dieses Industriedenkmal in seine Schranken.
Für Angela Hildebrandt ist die Auseinandersetzung mit diesen Kleidern, mit diesen Hüllen ein wichtiger Pfeiler ihres künstlerischen Schaffens. Auf der Empore, die sonst den Galeristen vorbehalten ist, zeigt sie mit kleinen Arbeiten, welche Verwandlung und Veränderung geschehen kann, wenn Dinge eingehüllt, eingenäht, mit allerlei Firlefanz versehen werden. Etwas auf den Kopf zu stellen, den Betrachter zu verwirren und dabei mit Alltagsdingen zu hantieren, das scheint dieser Angela Hildebrandt sichtlich Spaß zu machen.
Es gibt da aber noch eine andere Angela Hildebrandt. In der „Schleuse“ des Turbinenhauses zeigt sie ein einziges Bild, das auf die Malerin Angela Hildebrandt hinweist. Ein Bild, das den Blick verwirrt, das fasziniert. Ein Bild, das mit horizontalen und vertikalen Linien eine Szenerie entstehen lässt, die neugierig macht, diesem Verwirrspiel auf die Spur zu kommen. Ein Bild, das den Wunsch nährt, mehr von dieser Art des künstlerischen Schaffens im großen Galerieraum zu sehen. Hans J. Hochradl sprach am Freitag bei der Ausstellungseröffnung vom Dialog, das dieses Bild fordert, von der Frage nach dem eigenen Standpunkt des Betrachters. (…)

Nürtinger Zeitung/Wendlinger Zeitung, 23. Juli 2001


Den Raum als aktives Element mit einbezogen
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Kirchheim – „Flanieren und ewiges Vergehen“ – unter diesem literarisch anmutenden Titel zeigt Angela Hildebrandt derzeit im Rahmen einer Ausstellung des Kirchheimer Kunstvereins „Bilder und Räume“ im ersten Obergeschoss des Kornhauses. Dass bei aller Ernsthaftigkeit des künstlerischen Anspruchs, bei aller Schonungslosigkeit im Aufzeigen existenzieller Tragik auch ein oftmals ironisch gefärbter Humor in den Werken von Hildebrandt eine wesentliche Rolle spielt, dürfte jedem, der mit den Arbeiten der in Gutenberg lebenden Künstlerin in Kontakt kommt, schnell klar werden. So begegnet dem Besucher gleich beim Eintreten das sogenannte „Triptychon“, gefertigt aus Schaumstoff und textilem Gewebe.
.Es kann als formales Zitat bezeichnet werden, denn auch ohne den Titel zu kennen, fühlt man sich unweigerlich an ein dreiteiliges Altarbild mit zwei Seitenflügeln erinnert. Durch die Wahl des Materials und dessen Farbigkeit kommt es jedoch zu einer ganz bewusst kalkulierten ironischen Brechung zwischen Inhalt und Form.
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Ein weiterer Aspekt des „Triptychons“ ist es, den Besuchern von vorneherein die vorhandenen Parallelen zwischen der konkreten Raumsituation im Kornhaus und der Beschaffenheit von sakralen Räumen aufzuzeigen. In der Tat wirkt der lange rechteckige Grundriss und die Dreiteilung durch das Fachwerk Assoziationen an Haupt- und Seitenschiffe einer Kirche. Angela Hildebrandt bezieht somit auf unmissverständliche Art den Raum als aktives Element der Ausstellung mit ein.
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Kommt der Besucher dann weiter herein, muss er sich unweigerlich mit den an den Säulen lehnen Objekten, den sogenannten „Räumen“ auseinandersetzen. Diese Räume muten funktional an, erinnern mehr oder minder an Bahren, Särge oder auch an sommerliche Liegestühle für den Garten. Letztendlich besteht ihre künstlerische Qualität jedoch darin, sie solchen alltäglichen Kategorisierungen zu entziehen und enigmatisch-stumm zu bleiben.
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Flaniert man durch die Säulenpaare an diesen Objekten vorbei, steht man zuletzt vor einem mit schwarzem Samt ausgekleideten „Raum“, der definitiv gängige Attribute des Bestattungswesens aufweist. Perfiderweise lässt die Künstlerin mittels einer vorgesetzten Plexiglasscheibe den Betrachter sich in diesem „End-Raum“ auch noch spiegeln, so als befände er sich bereits dadrin, Memento mori.
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Die fünf ausgestellten Malereien sind Teile des großangelegten Zyklus „Vice versa“, an dem Hildebrandt seit 1998 arbeitet. Wesentliches Anliegen dieser Bilder ist es, ein räumliches Verhältnis zwischen Malerei und ihrem Betrachter zu schaffen. Nimmt man sich etwas Zeit und Ruhe und lässt sich ganz „unverkopft“ auf die Werke ein, so stellt man fest, dass die Bilder im Raum zu schwingen beginnen, sich regelrecht vor und zurück bewegen. So entsteht eine dreidimensionale Erweiterung des klassischen Bildraumes. Für die Rezipienten eine Chance, aus einem gewöhnlichen Anschauen eine lebendige Erfahrung zu machen.
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Interessant sind auch die diversen kunst- und kulturgeschichtlichen Bezüge, die sich in der Ausstellung auftun: so rekurriert beispielsweise das „Triptychon“ auf die Retabeln und Antependien des 11. und 12. Jahrhunderts, die zu den wesentlichen Ursprüngen des abendländischen Tafelbildes gehören. Ein früherer Vorläufer des Tafelbildes wird in den spätantiken, aus der ptolemäisch-ägyptischen Zeit stammenden Mumienbildnissen gesehen. Hier schließt sich ein weiterer Kreis zu Hildebrandts sargähnlichen „Räumen“.
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Einen Ausbruchsversuch ins Unendliche, ins Ewige wagt die Künstlerin in ihrer Installation „Versuchsanordnung“. Durch einen simplen optischen Trick erscheint die in den dunklen, mit Wasser gefüllten Mörtelkübel herabhängende Kette andeutungsweise ins Unendliche verlängert. Ein Durchbrechen räumlicher Normierung also, das wiederum zu ambivalenter Deutung aufruft: ein Ausbruch als Chance und positive Qualität, oder wird vielmehr die Dunkelheit bodenlos? Der Betrachter muss selbst entscheiden.
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In den Arbeiten von Angela Hildebrandt vereinen sich Tragik und Komik auf reizvollste Weise. Auch der Tragik des Scheiterns – wer ziellos durchs Leben stolpert, fällt schon mal hin -, gewinnen ihre Werke immer wieder ein durchaus tröstliches augenzwinkernd ab.
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Diese zwei Facetten des Daseins spiegelten sich auch im musikalischen Rahmen der Vernissage wieder. Xaver Paul Thoma (Viola) und Joachim Hess (Cello) brachten Beethovens beschwingtes Duett „mit zwei obligaten Augengläsern“ sowie Thomas Nachtstück III zu Zugehör, indem sich, so die Intention des Komponisten, „Schwerelosigkeit des Schwebens in lastende Stille wandelt“.
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Die Ausstellung des Kunstvereins „Angela Hildebrandt – flanieren und ewiges vergehen/bilder und räume“ ist bis zum 18. April im ersten Obergeschoss des Kornhauses zu sehen.
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Florian Stegmaier TECKBOTE, 10. März 2004


„…In den Bildern von Angela Hildebrandt wird die Grenze zwischen Stofflichem und Immateriellen, zwischen Sein und Schein durchlässig, es entsteht der Eindruck eines Pendelns, eines Schwankens zwischen sich erschließen und sich entziehen, zwischen Greifbarkeit und Unverfügbarkeit. Und obwohl es sich hier nicht um optische Täuschungen handeln kann, entzieht sich auch das hervorstechendste und essentiellste Element der Bilder, nämlich die Farbe, einer eindeutigen Festlegung.

Man erkennt: nichts ist absolut, nichts unumstößlich. So können diese auf dem ersten Blick harmlos erscheinenden Werke, denjenigen, der sich darauf einlässt, zu durchaus existentiellen, vielleicht auch schmerzhaften Tatsachen führen…“

Florian Stegmaier, Kurator Städtische Galerie Kirchheim/Teck (Einführung zu Bezirke der Unverfügbarkeit – Malerei, KunstRaum Hindenburgstraße, Laichingen 2005)


LAICHINGEN – Ein neuer Raum für Kunst in Laichingen wurde geschaffen.

Die Nürtinger Künstlerin Angela Hildebrandt lässt mit ihren Werken „Bezirke der Unverfügbarkeit“ in der Galerie „Kunstraum“ des Laichingers Kurt Strohm, Raum für Gespräche entstehen. Gespräche mit den Bildern, mit sich selbst oder mit den Betrachtern.
Ein sozialer Ort und Raum der Kommunikation soll diese neue Galerie sein, meinte  Kurt Strohm bei der Begrüßung und die erste Ausstellung nimmt dieses Motto auf.
(…) Mit zarten Farbaufträgen erreicht Angela Hildebrandt eine leuchtende Transparenz oder aber eine gewollt stoffliche Verfestigung. Die ausgestellten Werke aus dem Zyklus „Vice versa“ haben tatsächlich die starke Tendenz, den Betrachter zum Zwiegespräch zu verführen. Und hat man erst einmal die Bilder nacheinander betrachtet, spürt man Schwingungen, die einen zwingen, sich umzudrehen. Seien es die beiden gegenüber aufgehängten in monochromem Blau gehaltenen „Vice versa 50 und 58“ oder die in Farbverläufen gemalten „Vice versa 51 und 56“, die Bilder scheinen miteinander zu sprechen und beziehen den Betrachter in dieses Gespräch mit ein. Kunst wird erlebbar.

Schwäbische Zeitung Laichingen, S. Graser-Kühnle, 15. Februar 2005



„… für die ausstellung einigten sie sich auf ein einheitliches bildformat in anlehnung an das menschliche mass. die hochformatigen bildtafeln sind gleich gross. einzig eine geringe, kaum sichtbare, massdifferenz markiert – einer signatur gleich – die zugehörigkeit der tafeln zu der werkgruppe von angela hildebrandt.
in der anordnung der werke in dem raum werden nähe und distanz erprobt. die bildtafeln sind so aufgehängt, dass sie sich sowohl mit denen des anderen auf der gegenüberligenden wand als auch mit den direkt daneben hängenden begegnen. so können sie ohne ablenkung langsam ihre wirkung entfalten. aber dennoch wagt man auch die nähe, hängt an einer wand die exponate direkt nebeneinander auf. als beobachter ist man gespannt, wartet ab. was wird wohl als nächstes passieren? wir dürfen beobachten, was gerade erst beginnt. beim eintreten in diesen raum meint man, den stillen dialog der bilder mitten im satz für einen kurzen moment zu unterbrechen.“

Michael Maile, Kurator Ruoff-Stiftung Nürtingen (Einführung zu beziehungsweise mit Harald Huss – Schauraum Kunstverein Nürtingen, 2006)


Aus dem Kulturleben
Schichten aus der Natur

Künstlerhaus Die Doppelausstellung von Angela Hildebrandt und Harald Huss ergibt spannende Momente im Raum
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Ulm Die Kunstausstellungen zur Kulturnacht verzeichneten regen Publikumszuspruch. Manche Lokalitäten, wie der Kunstverein Ulm, machten mit populärem Mix (der kanadischen Künstlerin Laura Kikauka) die bald folgende Ausstellungseröffnung schmackhaft. Manche verbanden am Samstag – wie Loritz Spring in der Fischerplatz Galerie – mit der Nacht der Nächte einen neuen Präsentationsreigen.

….Dazu gehört auch das Ulmer Künstlerhaus, wo der Verband Bildender Künstler mit der Vernissage zweier artverwandter Schichtenmaler aufwartete: Angela Hildebrandt und Harald Huss haben sich bei einer Ausstellung in Nürtingen kennengelernt und bemerkt, dass sie trotz unterschiedlicher Ergebnisse mit einem ähnlichen Arbeitsprozess zum Ziel ihrer Kunst kommen. Beide haben für den Raum konzipiert. Beide bringen Schicht und Schicht zu Papier. Beide schöpfen für ihre Abstraktionen aus der Naturerfahrung.

Überlappungen mit Tiefenwirkung

Bei den farbsatten Quadraten und Rechtecken des in Nürtingen lebenden Malers Harald Huss nistet Schichtenbildung an den Rändern. Bei der ebenfalls in Stuttgarter Raum wirkenden, aus der Gegend von Köln stammenden Angela Hildebrandt ergeben Überlappungen eher fließende Transparenz. So zeigt sich dem Betrachter Nähe und Ferne mit unterschiedlicher Tiefenwirkung als gelungenes Spannungsfeld.

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Roland Meyer, NEU-ULMER ZEITUNG September 2006


Raumbezogene Objektkunst und „vice versa“
KUNSTVEREIN / Künstler geben Einblicke in ihre Werkstätten:  Angela Hildebrandt arbeitet in Nürtingen
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NÜRTINGEN  Anlässlich der vom Kirchheimer Kunstverein initiierten Aktion „Ateliertag“ am 14. und 15. Oktober wird auch Angela Hildebrandt ihr Atelier in der Mühlstraße 16 in Nürtingen dem kunstinteressierten Publikum öffnen.
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Die in Horrem bei Köln geborene Künstlerin studierte von 1993 bis 1997 an der freien Kunsthochschule Nürtingen bei Günther Reger, Harry Walter und Ute Meta Bauer. 1996 fungierte Angela Hildebrandt als Mitbegründerin der Reutlinger Künstlerinnen-Gruppe „F.C. art absurdum“.
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Neben raumbezogener Objektkunst steht vor allem die Arbeit an ihrem 1998 begonnenen Bilderzyklus „vice versa“ im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Identische Formate, die stets nach oben hin etwas verbreitern, somit trapezförmig werden und Malerei, sich dadurch auszeichnet, dass sie sich den Betrachtern erst einmal zu verweigern scheint und ihnen bewusst machen, dass nicht er über das Bild zu verfügen habe.
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Das hängt wesentlich damit zusammen, dass die „vice versa“ – Bilder keinerlei narrativen oder illustrierenden Charakter haben. Ihnen liegen auch keine fiktiven, von außen kommenden Konzepte zugrunde. Sie weisen vielmehr ins Offene und lassen ihren Betrachtern die Freiheit über die Zeit. „Das Bild stellt nicht dar“, macht Angela Hildebrandt deutlich, „sondern es ist“. Die Malerei wird so zum selbstbewussten Gegenüber. Zwischen Bild und Betrachter entsteht ein bewusst zu erlebender, teils regelrecht in Schwingung befindlicher Raum. Die Grenze zwischen Stofflichem und Immateriellen, zwischen Sein und Schein wird in diesen Arbeiten durchlässig. Es entsteht der Eindruck eines Pendelns zwischen Sich-Erschließen und Sich-Entziehen, zwischen Greifbarkeit und Unverfügbarkeit.
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Angela Hildebrandts Arbeiten waren zuletzt in diesem Frühjahr im Nürtinger „Schauraum“ zu sehen. Ein Jahr zuvor waren sie in reduzierter, daher äußerst kraftvoller Weise in der Laichinger Galerie „KunstRaum“ ausgestellt. Im Jahre 2004 stellte Angela Hildebrandt einige Arbeiten des „vice versa-Zyklus“ im Rahmen ihrer Einzelausstellung „Flanieren und ewiges Vergehen“ im Kirchheimer Kornhaus aus.
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Im kommenden Jahr wird Angela Hildebrandt mit einer Einzelausstellung in der Münsinger Zehntscheuer zu Gast sein sowie in der Kölner Galerie Lindenthal.
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Florian Stegmaier, DER TECKBOTE Kirchheimer Zeitung, 27. September 2006


Ausstellungseröffnung / Angela Hildebrandt in der Zehntscheuer
Raum zwischen Bild und Betrachter
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Eine Installation zur Erkundung des Raumes zwischen Bild und Betrachter, zwischen Fuß und Boden, zwischen Kopf und Himmel: Vielschichtig ist die Ausstellung „Blickverschränkung und Nachhall“ von Angela Hildebrandt, die seit gestern in der Zehntscheuer zu sehen ist.
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MÜNSINGEN. Die in Horrem bei Köln geborene Künstlerin absolvierte ihr Studium an der Freien Kunstakademie Nürtingen, war Mitbegründerin und Mitglied von „F.C. art absurdum Reutlingen“, arbeitet seit 1998 an dem Bilderzyklus „vice versa“ und präsentierte ihre Werke bereits bei weit mehr als 30 Ausstellungen, Projekten und Aktionen. Die Räumlichkeiten der Zehntscheuer haben die Künstlerin zur hiesigen Installation herausgefordert, der durchgehende Schacht hat zur Aufbauarbeit inspiriert. „Der Raum wird ins Werk aufgenommen, man muss sich darauf einlassen“, erläuterte sie. Das taten auch die zahlreichen Besucher, die zur Eröffnung gekommen waren und von dem mit Hildebrand befreundeten Künstler Harald Huss in das Werk eingeführt wurden. „Raum – das Umgreifende, der Spielraum, der ursprüngliche Hohlraum, der geschlossene und der freie Raum, Entfaltungsraum – Angela Hildebrandt macht Raum in seiner doppelten Bestimmung erlebbar“, so Huss.
….Himmelsleitergleich wird jedem Stockwerk der Zehntscheuer eine andere Bedeutung zugemessen. Im ersten Stock in ihren Maßen dem menschlichen Körper gleichende Bildtafeln, unzählige Farbrinnsale bilden übereinandergelagert und -getrocknet die Malkruste, zeigen innere Belebtheit und Transparenz. „Verzweigungen des Lebens, Seelenbilder“. Zwei Objekte, Liegestuhl, Bahre, in der Stofflichkeit an ältliche Frauen und Männer erinnernd, schauen sich im Zentrum des Raumes an, kommunizieren miteinander. „Hildebrandt verpflichtet den Betrachter, sich ihren Standort auszumalen, Blickverschränkung eben, eine dynamische Zweiheit entwickelt sich.“
….Im zweiten Stock die Auseinandersetzung mit Fuß und Boden. Boden-, Erdoberfläche, Dachboden und Fußboden. Darauf der Fuß mit seiner sich himmelsgleich wölbenden Fußfläche, nicht in seiner Gesamtheit Bodenkontakt haltend. Hildebrandt spielt mit den Unebenheiten des Fußbodens, Kreise nehmen des Gefälle auf, ziehen magisch an, verführen zum Betreten – wohin würde die Reise gehen? Daneben laden Bälle zum Spiel, zum Wurf himmelwärts.
….Im obersten Stockwerk dann Kopf und Himmel: Kopf, Sitz vom Gehirn, dem Hauptintegrationsort aller lebenswichtigen Informationen in einem Organismus. Der Himmel – Decke, Hülle, Baldachin. 225 Nylonfäden hat Angela Hildebrandt an die Decke der Zehntscheuer geknotet, Gespinstfäden, Schicksalsfäden. Der Ort löst die Installation förmlich auf, sie wird zum traumhaften, nachklingenden Lichtspiel. „Blickverschränkung und Nachhall werden zu einem Diskurs im eigentlichen Sinn: Dis-cursus – das meint ursprünglich die Bewegung des Hin- und Her-Laufens, das sind Schritte, Verwicklungen.“
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Heike Feuchter, ALB-BOTE Münsingen (Südwest Presse), 12. Februar 2007


Kunstausstellung – Angela Hildebrandt zeigt ihre Bilder und Installationen in der Münsinger Zehntscheuer
Letzter Gruß an die stoffliche Welt
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MÜNSINGEN. „In diesem Raum habe ich etwas gemacht, was ich bisher so nicht gemacht habe“, beschreibt Angela Hildebrandt ihre Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsraum Zehntscheuer. „Blickverschränkung und Nachhall – eine Installation zu Erkundung des Raumes zwischen Bild und Betrachter, zwischen Fuß und Boden, zwischen Kopf und Himmel…“, so der Titel der Präsentation, die am Sonntag eröffnet worden ist.
….Alle drei Stockwerke der Ausstellungsfläche weiß die Künstlerin mit ihren ausdrucksstarken Werken einzubinden in ihr Thema „Raum in Relation zum Menschen, und der alles durchdringenden Vergänglichkeit“. Ihre dem menschlichen Körpermaß entsprechenden Bildtafeln, Verweis auf Mumienbilder aber auch der Sargform nachempfunden, scheinen den Blick auf das, was dahinter ist, zu ziehen.
….Der unebene Boden im Stockwerk darüber steht im starken Kontrast zu intensivfarbigen Kreisen und Bällen, schwarze Löcher oder Spielgeräte? Einer von ihnen scheint mit seinem in den Dielenboden geschmirgelten Abdruck einen letzten Gruß an die stoffliche Welt hinterlassen zu haben.
….Unter dem Dachgebälk ganz oben spinnen 225 Nylonfäden den Hoffnungsfaden zum Himmel, oder ist er doch nur ein letzter Nachhall des erdgebundenen Lebens. Nachhall beim Betrachter bewirkt besonders ein ganz persönliches Bild, das die Künstlerin und ihren Mann mit Gesicht und Händen abgelichtet von einem Kopiergerät zeigen.
….Direkt vom Kopierpapier auf Leinwand übertragen, ist jede Handlinie erkennbar. Die menschliche Existenz, verletzlich, berührend, und doch bedeutend und stark, der Vergänglichkeit zum Trotz.
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(tia), Reutlinger General-Anzeiger, 13. Februar 2007


Die Zeichen der Zeit
Doppelausstellung in der Galerie Forum

Lindenthal. Sobald der Besucher die großzügigen Ausstellungsräume betritt, wird sein Blick von einer eigentümlichen Farbenflut in den Bann gezogen. Die abstrakten Farbflächen der Malerin Angela Hildebrandt ragen vom Fußboden aus über zwei Meter in die Höhe, wie Türöffnungen durchbrechen sie die weißen Wände des Foyers. Bei manchen der Bilder hat der Betrachter den Eindruck, er stünde einem abstrahierten Menschenbild gegenüber:
Grüne, rote, violette, gelbe Lichtstreifen oder Brauntöne sind unter zarten Schichten aus Acrylfarben zu erkennen. „Die Bilder malen sich selbst. Doch brauchen sie viel Zeit. Es kann zwei Jahre dauern, bis der Malprozess endgültig abgeschlossen ist“, erklärt Angela Hildebrandt aus Nürtingen, die sich nach künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch von der reinen Form löste, ihre meditative, farbintensive Arbeit.

Lydia Keck, Kölnische Rundschau, 1. März 2007



„(…) Für die Kirchen als auch für die Kunstwerke wichtig ist die Intensivierung der Aufmerksamkeit der Besucherin/des Besuchers, wenn er/sie die Eingriffe der Künstlerinnen in den Raum wahrnimmt.
Das gilt besonders für die kaum in Erscheinung tretende, dennoch stark wahrnehmbare Arbeit von Angela Hildebrandt, deren Fäden „zwischen Kopf und Himmel“ die Eintretenden gleich am Eingang das Fühlen lehrt. Da ist ein geordnetes Gespinst aus Nylonfäden, durch das hindurch muss, wer wie sonst den geraden Weg in die Kirche nehmen will, dem sie/er aber auch ausweichen kann, um nicht berührt zu werden oder zu berühren. Diese Aufmerksamkeit des ersten Schritts belebt den dämmrigen Raum, als ob die Architektur zu schwingen oder zu atmen beginnt. Die Begegnung mit dem wertlosen Material in der geordneten Fassung mit chaotischem Potential gibt dem festgefügten Kirchenhaus eine neue Erfahrungsebene. (…)“

Barbara Heuss-Czisch, Kunsthistorikerin (Eva Maria Magdalena – Künstlerinnen zu Religion und Weiblichkeit, 18 Projekte in sieben evangelischen und vier katholischen Kirchen sowie zwei muslimischen Gebetsräume in Stuttgart 2007)


(…) Wie unterschiedlich kann ich die Begegnung mit jeder einzelnen der skulpturalen Gestalten hier von Angela Hildebrandt erleben? (…) Ja, bin ich ganz wach, dann merke ich auch, dass es nicht nur Leinwände mit Farbe darauf sind, die an die Wand gehängt wurden, sondern die Gemälde sind selbst ästhetische Objekte mit einem spezifischen wahrnehmlichen „Gewicht“, das sie im Raum verortet. Darauf komme ich vielleicht, wenn ich bemerke, dass die abgeschnittene Ecke mich darauf hinweist, dass diese Leinwand nicht nur Träger eines Farbereignisses ist, sondern dieses Werk geradezu als Skulptur, als ein Wahrnehmungsereignis, das auch im Raum stattfindet, erlebt werden kann und damit die Farbe, die so gerne in der Fläche zu Hause ist, zu einem Erfahrungsereignis werden lässt.

(…) Diese beiden kleinen Wandtafeln von Angela Hildebrandt sind für diese Ausstellung ganz wunderbar komplementär gewählt. So zum Beispiel besonders im Spiel mit ihren Oberflächen. Zeigt das eine eine deutliche Anmutung von einer haptischen, materiellen, holzigen Oberfläche, die sich bei genauer Betrachtung als ein sehr gekonnter Farbauftrag entkleidet, bleibt bei dem zweiten nur für den ersten Augenblick eine homogene Farboberfläche für den Blick bestehen. Denn sehr schnell löst sich diese in einen sphärischen Farbnebel auf, der wie vor und hinter dem Bild, der eben noch klar bestimmbaren Oberfläche, ätherisch pulsiert. Das Bild hat aufgehört, ein Gegenstand zu sein und wird zu einem ereignishaften Farbphänomen, losgelöst von der erst so verlässlichen Dinghaftigkeit.

Jens Keuerleber (Einführung wir hier, Städtische Galerie Filderstadt, 2015)


Pfiffige Visionen und bedrückende Schicksale
Kunsträume – Fünf Arbeiten decken thematisch und gestalterisch ein breites Spektrum der örtlichen Szene ab.
Von Wolfgang Berger

Im Esslinger Rathaus stehen die Telefone nicht mehr still, berichtet Barbara Antonin vom städtischen Kulturamt. Viele Bürger möchten wissen, was es mit dem neuen Bauschild am Bahnhof auf sich hat. „Hier baut die Stadt Esslingen ein Künstlerhaus“, steht darauf zu lesen.
Geht nun ein lang gehegter Traum der örtlichen Kunstszene in Erfüllung? Weit gefehlt. Denn der authentisch wirkende Hinweis auf den baldigen Spatenstich ist ein pfiffiges Projekt von Angela Hildebrandt. Neben sechs anderen Künstlern bestreitet sie die Sparte „Kunsträume“ beim Kulturfest „Stadt im Fluss“.
Hildebrandts in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Bolte entstandene Arbeit ist mehr als ein gelungener Scherz. Indem sie die seit langem existierende Vision eines Künstlerhauses konkretisiert, setzt sie den Leitgedanken der Triennale von der „unsichtbaren Stadt“ kongenial um. „Unsichtbares, weil nicht Vorhandenes als konsequenteste Form der Unsichtbarkeit wird charmant und vielleicht verwirrend sichtbar gemacht.“ Treffender als die in der „Stadt im Fluss“-Broschüre enthaltene könnte eine Beschreibung nicht sein.
Mit dem Bauschild und der Dokumentation im Rathaus lässt es Angela Hildebrandt, die in den 1990er Jahren an der Freien Kunstakademie Nürtingen studiert hat, nicht bewenden. Sie setzt noch einen drauf. Unter der auf dem Schild angegebenen Nummer des Infotelefons läuft ein Band mit der Stimme der Künstlerin, die den Anrufer mit auf die Reise in eine Welt aus Fiktion und Wirklichkeit nimmt.
(…)

STUTTGARTER ZEITUNG
Nr. 228 / Freitag, 2. Oktober 2015


„Jede Menge Besucher folgten dem Ruf des Zebras und besuchten die Vernissage zur Ausstellung.
Ein großes Dankeschön geht an Angela Hildebrandt, welche die Einführung zur Ausstellung
zu einem wunderbaren Erlebnis machte, mit Twitter, einer Leiter und @real Kik Erik ….I.
Die Künstlerinnen danken für die Salbung mit Smartphone und Calendula.“

Yvonne Rudisch, Stuttgart 2017


Abstieg in Wundergrotten
LICHTENSTEIN-HONAU
(…) Keller für Keller ist es ein Abstieg in eine Unterwelt, bei dem man Sonne, Licht und Alltag hinter sich lässt und als Fremdling eindringt in eine Sphäre, in der die wahren Herren bestimmte Spinnensorten von ansehnlicher Größe sind. Gleich zwei Künstlerinnen nehmen auf sie Bezug. (…)
Spinnfäden und stehender Regen 
Abstrakter verarbeitet Angela Hildebrandt das Spinnfadenmotiv. Sie hat in „ihrem“ Keller ein Feld abgesteckt mit hauchdünnen Fäden, die sich von der Gewölbedecke zum Boden ziehen. Sie hat dafür „Unsichtbares Garn“ verwendet, mit dem man sonst offen sichtbare Nähte ausbessert. Von einem sanften Lichtstrahl erhellt, schimmern nur Teile der Fäden, als kämen sie aus dem Nichts. Das „Nichts“ sichtbar zu machen, darum geht es ihr, sagt Hildebrandt. Das Nichts aus Fäden wirkt bei ihr wie ein stehender Regen.

Armin Knauer, Reutlinger General-Anzeiger 23. Juni 2018



Künstlerische Positionen zum 100-jährigen Jubiläum der VHS

An der Volkshochschule sollen Menschen durch lebenslanges Lernen auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können. Angela Hildebrandt zeigt ihre ungewöhnlichen Bild-Formate über einer großflächigen Fototapete im VHS-Foyer und fordert Auseinandersetzung und Aufbegehren ein: „Ich schätze Räume, die nicht optimal für Kunstwerke sind. Denn hier müssen die Bilder zeigen, ob sie die Kraft haben, in Konkurrenz zum Raum zu bestehen.“

Gaby Weiß, Esslinger Zeitung, 27. September 2019


Der Baumarkt als Ort der Inspiration
Kreis Esslingen: Angela Hildebrandt zeigt ihre Vielseitigkeit in Malerei, Installation und Aktionen
Denkt Angela Hildebrandt an Baumärkte, gerät sie ins Schwärmen: „Ich liebe Baumärkte“, gibt die Künstlerin unumwunden zu. So ein Heimwerker-Eldorado ist ein idealer Inspirationsort, um Material für ihr künstlerisches Schaffen zu finden: Plastik, Holz und vieles mehr für ihre Installationen, die sie mit minimalen Mitteln gestaltet. „Ich muss es fühlen, ob es Holz oder Plastik ist“, begründet sie einen Präsenzbesuch im Do-it-yourself-Paradies. Online-Bestellungen kommen deshalb für sie nicht in Frage. Das ist sicherlich mit ein Grund, weshalb sich Angela Hildebrandt ins Atelier zurückgezogen hat, keine Objekte macht und Projekte im öffentlichen Raum schon gar nicht.
Derzeit konzentriert sie sich auf die Malerei, die sie seit ihrem Studium an der Freien Kunsthochschule in Nürtingen von 1993 bis 1997 durch ihr künstlerisches Arbeiten begleitet. Zeitweise lief die Malerei neben Performances, Aktionen und Projekten nebenher. Momentan ist dieses zurückgezogene Arbeiten in ihren luftigen Atelierräumen eine sichere Bank. Angela Hildebrandt lebt und arbeitet dort, wohin andere am Wochenende zur Entspannung pilgern – in Gutenberg, dem letzten Ortsteil der Gemeinde Lenningen vor dem Albaufstieg.
In dieser bilderbuchhaften Abgeschiedenheit entstehen in langen Prozessen ihre Bilder. Manchmal dauert es zwei Jahre, bis die Schichtarbeit beendet ist. Teilweise liegen 100 Schichten übereinander. Angela Hildebrandt beschreibt den Prozess so: „Trocknen, wegstellen, an einem anderen Bild weiterarbeiten“ – meist an drei oder vier Bildern gleichzeitig. Immer sind es Linien – waagerecht und senkrecht -, die mit Acrylfarbe auf die Leinwand aufgebracht werden. Mehr nicht. Und trotzdem passiert etwas zwischen Bild und Betrachter im Raum. Es lässt sich nicht greifen. Und genau dieses Unbegreifliche reizt Angela Hildebrandt an der Malerei.
Als Beispiel führt sie die Bilder „einfach lassen“ zur Ausstellung „das Fremde“ in der Berliner Straße in Esslingen 2016 an. Sie hingen in einem denkbar ungeeignetem Raum mit zerfetzten Tapeten, der sich im Dialog  mit den Arbeiten veränderte und sich als hervorragend herausstellte. Ein Experiment, das geglückt ist, aber nicht als Blaupause für weitere Versuchsreihen dient. Ein Aha-Erlebnis, auch weil durch die Malerei ein sirrender Dissonanz-Ton im Raum erzeugt wurde.
Gesang und Musik sind wichtig im Leben der Künstlerin. Bach, Händel oder Pergolesi erzeugen die Lockerheit, die Angela Hildebrandt zum stillen Arbeiten braucht. Die selbstgebauten Keilrahmen für die Leinwände, mal schräg, mal mit fehlender Ecke, hängen direkt an der Wand, darunter schützende Plastikfolie, die in unzähligen Farblinien und Spritzern vom stetigen Schaffen erzählt. Davor stehen unzählige Tellerchen mit Löffeln für die verschiedenen Farbpigmente zur „Speisung“ der Bilder. Die Formate werden so gewählt, dass sie in den Kofferraum passen. Aus Sachzwängen entstehen Diptychen und Triptychen. Die Künstlerin setzt auf Pragmatismus statt Überhöhung. Wenn der Hund übers Aquarell leckt und es ist hinterher besser, ist das ein genialer Zufall, den es zu erkennen gilt.
Bis 2020 war die gebürtige Rheinländerin zweite Vorsitzende des Vereins artgerechte Haltung Bildende Künstler Esslingen, mit dem sie einige Aktionen durchgeführt hat wie „Garten Eden“ 2014, die Weststadtkunst“ 2016/2017 oder in der Franziskanerkirche – eine expressive Klangraum-Performance mit einem Frauenchor. In der Marienkapelle des Salemer Pfleghofs machte sie lediglich mit durchsichtigem Nähgarn das Nichts sichtbar. Fünf Meter lange Fäden spannten sich in minimalem Abstand von der Decke zum Boden, als Fadenfeld bildeten sie einen geordneten Binnenraum, der sich je nach Lichteinfall und Perspektive verschob.
Inzwischen fühlt sich Angela Hildebrandt erschöpft. Corona wirkt wie eine Glocke. Ausstellungen und Aktionen mit Künstlerkollegen können seuchenbedingt nicht stattfinden. Schon im vergangenen Jahr haben sich alle Präsentationen verschoben. Dieses Jahr sieht’s nicht besser aus. Auch die „Piussisters“ haben Sendepause. 2008 gründeten Petra Pfirmann und Angela Hildebrandt den geheimnisvollen künstlerischen Orden. Analog zu den „Bluesbrothers“ treten die beiden Künstlerinnen bei ihren „liturgischen Handlungen“ immer mit dunklen Sonnenbrillen auf, egal ob im Bahnwärterhaus Esslingen, im Württembergischen Kunstverein Stuttgart oder im Park der Villa Merkel in Esslingen. Es ist ein künstlerisches Spiel mit Transzendenz, mit Klischees und damit, was Kunst sein könnte. Der Spaß steht dabei im Vordergrund.
Das umfassendste Bild über Hildebrandt macht man sich, wenn man auf ihrer Homepage stöbert. Sie liest sich spannend wie ein Roman mit autobiografischen Zügen. Jedes ihrer Arbeitsfelder wird vorgestellt, und es gibt einen unterhaltsamen Blog mit Beiträgen wie diesem vom August 2020: „Künstler gehen nicht in Rente. Sie stehen vor der Leinwand und fallen mit tropfendem Pinsel in der Hand einfach um. Dann sind sie tot, ihre Bilder aber nicht. Einige Bilder bleiben unvollendet und ein großes Geheimnis, die vollendeten guten Bilder aber auch.“

Petra Bail, Eßlinger Zeitung, 19. Mai 2021


Kirchheim – Von Maß und Maßlosigkeit des Menschen
(…) Unter dem Titel „Menschenmaße“ zeigen 15 Kunstschaffende in den Galerieschaufenstern des Kirchheimer Kornhauses ihre Werke.
Die Diskrepanz zum ausgewachsenem Menschenmaß macht Angela Hildebrandt schmerzhaft sichtbar. Unerbittlich schnüren Spanngurte ihr rosafarbenes Textilobjekt in die Normmaße ein. Der infantilen Zwangsjacke ist eine biblische Allusion vorangestellt: „So ihr nicht bleibet wie die Kinder“. Wo im Neuen Testament das Kind-Werden Perspektiven eröffnet, macht Hildebrandts Arbeit die Perversion des Kind-Bleibens deutlich, wie sie einem Zwang zur Unmündigkeit, einer zum Programm erhobenen Regression erwächst.
(…)

Florian Stegmaier, DER TECKBOTE Kirchheimer Zeitung, 15. Juli 2021


Flucht in die Freiheit
Mitglieder der Künstlervereinigung aHBKE haben sich für ihre Ausstellung mit dem ehemaligen Schweizerhaus der Domäne Weil auseinandergesetzt. Gelungen ist eine feinsinnige Interaktion mit dem herausfordernden Raum und ganz vielen Themen, die in der Luft liegen.
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Im „Jahr ohne Sommer“ 1816, als  der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambore auch in Württemberg für verheerende Missernten gesorgt hatte, wollte König Wilhelm I. die Not der hungernden Menschen lindern: Er förderte auf seinen Besitzungen in Scharnhausen, Klein-Hohenheim und Esslingen-Weil innovative Ideen für die Landwirtschaft und investierte in neue Methoden für Ackerbau und Viehzucht. Die heutige Domäne Weil zählte zu Wilhelms Sommerstallungen und war lange einer der größten Milchbetriebe Württembergs. Bevor das 1830 dort erbaute Schweizerhaus, das viele Jahrzehnte lang als Kuhstall diente, ab Herbst (…) umgebaut werden soll, hat die Künstler-Initiative artgerechte Haltung Bildende Künstler Esslingen (aHBKE) die Chance ergriffen, sich in einer künstlerischen Interaktion mit dem Raum und seiner Vorgeschichte auseinanderzusetzen: „Domäne Kunst“.
(…) Ein Hingucker ist auch Angela Hildebrandts eigenwillige Skulptur aus einer Matratze, die – mit Bändern verspannt – kein Wachstum zulässt und die Betrachter mahnt: „Bleibet wie die Kinder“.
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Angela
 Hildebrandts mit Spucke und Weingummi beklebte Fenster sorgen – Lust und Ekel zugleich erregend – für eine fast sakrale Anmutung im ramponierten Bau. Ob die Hühner hier eigentlich glücklich waren? (…)
Den 14 Künstlerinnen und Künstlern von aHBKE ist es wieder einmal gelungen, eine überaus feinsinnige Auseinandersetzung mit dem herausfordernden Raum und ganz vielen Themen, die in der Luft liegen, zu präsentieren. Die ehemaligen Stallungen kurz vor Abriss und Umbau tun ein Übriges, die Schau „Domäne Kunst“ spannend zu machen.

Gaby Weiß, Esslinger Zeitung – Samstag/Sonntag, 2./3. Oktober 2021


(…) Maria als Himmelskönigin. Dieser Maria widmet Angela Hildebrandt ihren seltsamen rosa-hellblau-goldenen Tragehimmel. Bei Prozessionen bringt er den Priestern den Himmel nah, sie sagt: “Ein Singsang an die Mutter Jottes, schwankend unter ihrem Schutz und Schirm wird alle Ungemach vorüber gehen“.
„Maria voller Malz“ so der Titel – ironische Anspielung auf Fastenbier und Kölsch – passend zur Jahreszeit. Aber dieser Maria-Baldachin zitiert weitere religiöse Feinheiten: der „intakte, verschlossene Schrein des Leibes“ wird in der katholischen Kirche nicht gezeigt. Dagegen gibt es vielerlei Abbildung der stillenden Mutter Gottes „Maria lactans“. Welche BH-Größe? Angela Hildebrandt wählt Cup D.
„Möge der Tragehimmel dem Klerus und der Menschheit Schutz und geistige Nahrung spenden!“ Zitat Hildebrandt.
Was würde Maria 2.0 dazu sagen? Oder Heinrich Heine? Wahrscheinlich: „Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen!

Sabine Schäfer-Gold, aus Einführungsrede „In den Himmel geschaut“, Städtischen Galerie Filderstadt, 27. Februar 2022


Fellbach und Esslingen künstlerisch vereint
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…..Angela Hildebrandt, eine der sieben ausstellenden Künstlerinnen und Künstler des Esslinger Vereins, verwendet für ihre drei gezeigten Werke Pigment auf Leinwand sowie Blei und Ölkreide auf Altpapier. „Zwei der ausgestellten Werke haben bis zu 200 Farbschichten, da ich so lange neue Schichten auftrage, bis das Bild in den Raum strahlt und etwas mit dem Betrachter geschieht“, erklärt die Künstlerin. Manchmal ist ihre Arbeit jedoch auch simpler, was durch das dritte Kunstwerk deutlich wird. Dabei handelt es sich um eine kleinformatige Zeichnung, die sehr minimalistisch gehalten ist. „Bei dieser Arbeit stellte sich mir die Frage, wann ein Bild ein Bild ist.“
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Luisa Rombach, Stuttgarter Zeitung – Donnerstag, 25. Januar 2024 


Farbwelten von Angela Hildebrandt in der dieselstrasse 

Seit Mittwoch 15. Mai sind im Kulturzentrum dieselstrasse 12 Farbbilder der Künstlerin zu sehen. 10 Tafeln, stehen fast am Boden – gegenüber den in den Saal tretenden Betrachtern – jedes Bild ist so groß wie ein Mensch und jedes Gemälde hat eine eigene suggestive Farbigkeit. In unzählbaren Schichtungen sind faszinierende  Farbflächen entstanden, die aus vielen übereinander liegenden Pigmentschichten bestehen. Lineare Strukturen erinnern an Baumstämme, Schrunden und Oberflächen benutzter Möbelstücke. Frei gesetzte kontrastierende Flecken lassen in tiefer liegende Farbräume blicken. Die Künstlerin schreibt über ihre Arbeiten:

Die Arbeitsweise erinnert an eine systemische Untersuchung, aber gemeint ist die Besonderheit des einzelnen Bildes. Es geht um Schönheit. Das Bild, wenn es geglückt ist, weist über sich hinaus, macht etwas sichtbar, was ohne das Bild nicht sichtbar wäre. Daher besteht die Notwendigkeit, es zu malen.

Gehen Sie auf Entdeckungsreise – schauen sie sich die einmaligen gegenstandslosen Farbmalereien in der Dieselstrasse an –

Zwiebel – Esslinger Zeitung – 17. Mai 2024